Korridorklasse für Sekundarstufe I

1. Zielgruppe

Die Korridorklasse wird von Schüler*innen der Sekundarstufe I (8./ 9. Schulbesuchsjahr) besucht, die eine Perspektive auf einen Hauptschulabschluss haben, bei denen jedoch alle Beteiligten (Schüler*innen, Eltern, Lehrkräfte, außerschulische Hilfesysteme) keine anderen Möglichkeiten der Beschulung mehr sehen. Mögliche Beispiele dafür sind im Folgenden aufgelistet.

Es handelt sich um Schüler*innen,

  • bei denen die internen Möglichkeiten der schulischen Förderung, der Beratung oder ambulanten Unterstützung durch das rBFZ der Paula-Fürstschule (REBUS) oder die außerschulische Unterstützung nicht mehr ausreichen, um eine Beschulung an der Regelschule möglich zu machen.
  • die aufgrund einer zugespitzten Problemsituation in ihrer Herkunftsklasse diese verlassen müssen.
  • die aufgrund ihrer Verhaltensproblematiken bereits vom Schulunterricht ausgeschlossen wurden. Sie wurden der Schule verwiesen, befinden sich in einer Übergangslösung (Dauerpraktikum) oder haben eine „ruhende“ Schulpflicht.
  • die aufgrund von Schulangst (u.a. verursacht durch Mobbing- und Gewalterfahrungen) psychisch nicht in der Lage sind, am Unterricht einer Regelschulklasse teilzunehmen.
  • denen es aufgrund individueller psychischer Probleme nicht möglich ist, am Unterricht der Regelschulklasse teilzunehmen.
  • deren emotionale Kompetenz stark entwicklungsbedürftig ist (unrealistische Selbstwahrnehmung, Kontrollverlust bei Wut und Ärger, geringe Frustrationstoleranz, geringe Empathiefähigkeit, unangemessene Problem- und Konfliktlösestrategien, fehlende adäquate Handlungsalternativen).
  • die erhebliche Motivationsschwierigkeiten und Formen von Schulunlust bis hin zum Schulabsentismus zeigen.


2. Ziele

In der Korridorklasse Sek I haben die Schüler*innen die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen erneut in das Schulsystem einzugliedern, sich neue Ziele für ihr schulisches Weiterkommen zu setzen und ihre zukünftige Lebensplanung wieder aufzunehmen.

Leitziel ist in diesem Zusammenhang das Erreichen des Hauptschulabschlusses.

Teilziele:

  • Schaffung einer neuen Motivation für das eigene schulische Weiterkommen durch positive Lernerfahrungen
  • Stärkung der Selbstverantwortung
  • Unterstützung in der sozialen und emotionalen Identitätsentwicklung
  • Erlangen von Fähigkeiten zur erfolgreichen Teilnahme an Gruppenprozessen
  • Stabilisierung von Schüler*innen und Eltern in sehr schwierigen Problemsituationen
  • Aufarbeitung der schwierigen schulischen Situation
  • Erarbeitung alternativer Verhaltensstrategien in den Bereichen Konfliktverhalten, Impulskontrolle und Gruppenfähigkeit
  • Stärkung von Selbstvertrauen und Empathiefähigkeit durch positive Gruppenerfahrungen
  • Vorbereitung der Schüler*innen auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt


3. Rahmenbedingungen

Die Schüler*innen stehen mit ihren individuellen Lernvoraussetzungen und Persönlichkeiten im Mittelpunkt des Konzepts und erfahren eine wertschätzende Behandlung. Die Schüler*innen setzen sich im Rahmen des schulischen und pädagogischen Angebots mit ihrem Verhalten, ihrer persönlichen schulischen Einstellung und ihren Zukunftsperspektiven sowie ihrer Rolle in ihren sozialen Kontexten auseinander.

Die Klasse befindet sich in Räumlichkeiten der Paula-Fürst-Schule in Usingen. Hier stehen ein Klassenraum sowie eine Werkstatt und eine Küche zur Verfügung. Die Verweildauer in der Korridorklasse Sek I beträgt in der Regel ein Schuljahr.

In einem Aufnahmegespräch mit der/dem Schüler*in, den Erziehungsberechtigten, den Lehrkräften der Korridorklasse, der Schulleitung sowie der REBUS-Lehrkraft der Regelschule, an der der/die Schüler*in aktuell gemeldet ist, werden die Voraussetzungen und Aufnahmebedingungen in die Korridorklasse Sek I besprochen. Die Entscheidung über die Teilnahme am Unterricht in der Korridorklasse trifft das Staatliche Schulamt.

In der Klasse werden bis zu 6 Schüler*innen unterrichtet. Der Klassenraum ist durch sein Raumkonzept klar gegliedert entsprechend verschiedener Arbeits- und Gruppenphasen. In den Einzelarbeitsphasen arbeiten die Schüler*innen an ihrem individualisierten Lernangebot in ihren persönlichen und von den anderen abgetrennten Lernbüros. Der Gruppenarbeitsbereich steht für gemeinsames Frühstück, Gruppenaktivitäten sowie Spiele bereit. Es wird nach dem geltenden Kerncurriculum für die Hauptschule unterrichtet. Zur Verhaltensstrukturierung gibt es einen festen und klaren Ablauf nach den vereinbarten Klassenregeln. Zudem sind konstante Lern- und Verhaltensrückmeldungen und das Setzen und Reflektieren individueller Entwicklungsziele Teile des Konzepts.