Korridorklasse (Regenbogenklasse)

1. Zielgruppe

Die Korridorklasse wird von Grundschülern besucht, bei denen die Beteiligten (Lehrkräfte, Lerngruppe, Eltern) aufgrund zugespitzter Problemsituationen an die Grenzen ihrer Handlungsmöglichkeiten gelangt sind:

  • Schüler, die in der Regel am Ende einer intensiven internen schulischen Förderung stehen.
  • den Schülern konnte auch durch Beratung und ambulante Unterstützung durch die Regionale Beratungs- und Unterstützungsstelle (Rebus) nicht ausreichend geholfen werden. Außerschulische Unterstützungsmöglichkeiten sind geprüft bzw. eingeleitet.
  • Schüler, die oft unter (auch verdeckten) Beziehungsproblemen in der Klasse leiden.
  • Schüler, die sich in einer akuten emotionalen Krise (Trennung der Eltern, Tod, Suizid, sonst. traumatische Erlebnisse) befinden.
  • Schüler, die anhaltende Disziplinprobleme zeigen.
  • Schüler, deren sozial-kommunikative Kompetenzen gestört bzw. nicht ausgebildet sind.
  • Schüler, die in ihrer Team- und Gemeinschaftsfähigkeit deutlich eingeschränkt sind.
  • Schüler, deren emotionale Kompetenz stark eingeschränkt ist (unrealistische Selbstwahrnehmung, Kontrollverlust bei Wut und Ärger, gestörte Empathie).
  • Schüler, die regressives Verhalten zeigen.
  • Schüler, die so unstrukturiert arbeiten, dass der Schulerfolg gefährdet ist.
  • Die Ursachen der Verhaltensproblematik konnten mit den üblichen 
diagnostischen Mitteln nicht geklärt werden.
  • Schüler, bei denen ein Lernhilfebedarf auszuschließen ist.

Die Entscheidung über die Teilnahme am Unterricht in der Korridorklasse trifft das Staatliche Schulamt.


2. Ziele

Leitziel ist, über die Entwicklung neuer, konstruktiver Verhaltensansätze die dauerhafte Segregation zu vermeiden und die Schüler in ihre Herkunftslerngruppe oder auch eine andere Klasse an der Regelschule zu integrieren. Nur in absoluten Ausnahmefällen kann z.B. die Empfehlung für die Beschulung in einer anderen Regelschule (Grundschule) oder einer Förderschule (Schule für Kranke/Klinikschule) erforderlich sein.

Teilziele:

  • Stabilisierung der Schüler in massiven Problemsituationen
  • Stabilisierung der Eltern bzgl. des Erziehungsverhaltens
  • Aufarbeitung der gestörten schulischen Situation mit dem Schüler
  • Schaffung einer neuen Motivation für schulisches Lernen durch positive Lernerfahrungen
  • Intensive prozessorientierte Sonder- und Sozialpädagogische Diagnostik
  • Erarbeitung alternativer Verhaltensstrategien in den Bereichen Konfliktverhalten und Gruppenfähigkeit
  • Stärkung von Selbstvertrauen und Empathiefähigkeit durch die Schaffung eines positiven Erziehungserlebens und positiver Gruppenerfahrungen
  • Vorbereitung und Stärkung des Schülers, der Eltern, der Lehrkräfte und der Regelschullerngruppe bzgl. der Reintegration


3. Rahmenbedingungen

Die Klasse befindet sich in Räumlichkeiten der Paula-Fürst-Schule in Usingen. Hier stehen ein Klassenraum sowie ein Gruppenraum zur Verfügung, die Benutzung der Schulküche ist ebenfalls möglich. Der Schülertransport wird durch den Schulträger gewährleistet. Die Korridorklasse sieht eine zeitlich befristete Herausnahme der Schüler für ca. 12 Wochen aus deren schulischem Umfeld vor.

In der Klasse werden 6-8 Schüler von 2 Lehrkräften unterrichtet. Die Schüler besuchen die Korridorklasse in einem rollierenden System, so dass sich neu ankommende Schüler in bereits bestehende Strukturen eingliedern müssen. Um die Rückschulung in die Herkunftsklasse bzw. -schule zu erleichtern, werden die Schüler in Kooperation mit den Lehrern ihrer Klasse in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik (und ggf. Englisch) nach den dortigen Arbeitsplänen unterrichtet. Weitere Inhalte der Korridorklasse sind die Fächer Sachunterricht, Kunst und Sport sowie die Durchführung eines Trainings zum Erwerb sozialer Kompetenzen. Begleitend findet eine differenzierte Förderdiagnostik mit einer Kind-Umfeld-Analyse statt, so dass konkrete individuelle Zielvereinbarungen für das Kind erstellt werden können.

Die Eltern sind als Mitglieder des Fördersystems von Anfang an einbezogen. Wenn die stabilisierten Schüler wieder in ihre Herkunftsklasse oder in eine andere Klasse in der alten oder einer anderen Schule der gleichen Schulform zurückkehren, wird das System zunächst weiterhin von einem Beratungslehrer der Regionalen Beratungs- und Unterstützungsstelle (Rebus) unterstützt.